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Dienstag, 20. März 2018

Vom Frühling, der nicht kam

Es war ein mal ein Mädchen, das hieß Veronika. Sie hatte ein Rendezvous mit dem holden Lenz. Veronika trug ein Schneeglöckchen im Haar und Schmetterlinge im Bauch. Doch der launige Lenz erschien nicht zum Stelldichein. Veronika wartete und wartete. Das Schneeglöckchen verwelkte, die Schmetterlinge verschwanden und es begann zu schneien. Der Boden gefror, die Vögel verstummten und Veronika wurde still und traurig. Die Tage vergingen. Es wurde immer kälter. Veronika setzte sich auf die schneebedeckte Erde und beschloss, den dummen Lenz zu vergessen und stattdessen Streichhölzer zu verkaufen.

Das ist kein Märchen, sondern eine wahre Geschichte. Schön ist sie nicht, das gebe ich zu. Aber man muss bei allem Kummer, seinen Geschäftssinn bewahren. Heute zeige ich euch die neuen Ohrringe am nackten Stein und nicht an mir. Meine Laune ist im Keller, weil der Frühling mich versetzt hat. Und ihr wollt bestimmt gar nicht wissen, wie böse ich dreinschauen kann...

Sie sind aus Marillenholz gemacht und mit grünen Jadeperlen versehen – nicht frühlingsgrün, nicht knospengrün, nicht maigrün – sondern einfach nur grün. Das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden.

Ich hoffe, ihr habt es warm!








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Dienstag, 23. Januar 2018

Centaurus

An einen roten Morgenhimmel im Winter erinnern mich diese fabelhaften runden Ohrringe. Sie sind aus einem Marillenbaum geschnitzt, jedoch aus Zwetschgenholz. Wie geht das? 

Es war einmal in unserem Vorgarten ein märchenhaft schöner Marillenbaum. Wie die meisten Kulturobstsorten war er ein Mischwesen, veredelt auf einer Unterlage mit ausgewählten Eigenschaften wie Robustheit, Vitalität, einer günstigen Reifezeit, einer guten Fruchtgröße etc. Oberirdisch sah er so lieblich aus, wie Marillenbäume nur lieblich aussehen können: Im zeitigen Frühjahre eine duftige, bassrosarote Blütenwolke, umschwärmt von Hummeln und Bienen. Im Sommer mit hellgrünen, herzförmigen Blättern und bald mit leuchtendorangen saftigsüßen, rotwangigen Marillen. Sein Herbstkleid war strahlend zitronengelb. Doch tief unter der Erde, da war er Zwetschge. Und wie! Gewaltige Zwetschgenwurzeln bahnten sich wie Riesenschlangen ihren Weg durch den Gartenboden. Kraftvoll und ruhelos. Sie wollten nicht unter der Erde bleiben, dort unten im Dunklen, wo sie niemand sah. Voll Eifersucht auf den adretten Marillenbaum, der dort oben im Sonnenschein badete und bewundernde Blicke erntete, wollten sie nichts als hinaus ans Licht. Und das taten sie schließlich. Energische Wurzeltriebe bohrten sich aus der Erde - hunderte Schösslinge schossen hoch.  Diese Zwetschgenschösslinge wuchsen rasant in die Höhe und waren einfach nicht unter Kontrolle zu bringen. Mit seiner starkwüchsigen Unterlage war der Baum viel zu groß für den Vorgarten geworden. In einem Umkreis von sieben Metern (!) kamen immer wieder Wildtriebe nach. Schweren Herzens mussten wir zur Säge greifen und dem Sommermärchen ein Ende setzen.

Doch der Zentaur wandelte sich abermals und lebt weiter. In manchen Schmuckstücken und Löffeln, die aus dem gefällten Marillenbaum gefertigt werden, leuchtet seine unbesiegbare Kraft. Seht ihr ihn? Seht ihr das Rot, das dunkle Rosarot im Holz? Das ist er, der verborgene zweite Teil, die Wurzel. Das sind die Beine des Centaurus.*

*An der rötlichen Färbung des Holzes könnt ihr deutlich die Zwetschge sehen. 











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Dienstag, 31. Oktober 2017

Sturmnacht

Kalter Sturmwind reisst alles Gold von den Bäumen, bricht die letzten Rosenknospen, rüttelt an den Fenstern; bringt Winterluft und Stille. Die Stille nach dem Sturm. Die Stille vor dem Winter. Das Gezwitscher verstummt, das klebrig süße Obst verfault, die Straßen leer, die Türen zu. Der Wald steht schwarz und im Dorf gehen flackernd die Lichter an. Rauch steigt aus allen Schornsteinen. Ein Rabe im Nussbaum putzt sein Gefieder und schaut stumm in die Nacht.




Ohrringe aus Weinrebe











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frollein-pfau.blogspot.de



Samstag, 31. Oktober 2015

Dunkle Wesen

Es ist dunkel geworden. Die Welt scheint enger. Nebel legt sich wie Weichzeichner über die Landschaft. Mir kommt vor, als würde ich alles durch eine beschlagene Scheibe sehen. Nur manchmal erhellt eine ferne, blasse Sonne das Grau. Das Leben scheint den Atem anzuhalten und der Tod, das Ende, die Finsternis sind näher und greifbarer als sonst.
Jetzt ist die Zeit, für Aberglauben, Mythen, dunkle Gedanken. Gedanken die schweifen, abgleiten, hinüberwandern. Dorthin, wo Nebelschwaden über dem ewig silbrigen Fluss hängen. Wo Graureiher landen und kurz regungslos verharren, bevor sie ins Reich der Schatten fliegen. Wo sich dunkle Wesen aus dem Wald lösen, um sich im Mondlicht im Wasser zu spiegeln. 
Eine von ihnen ist die Banshee, ein Totengeist aus der keltischen Mythologie. Ihr Name bedeutet 'Frau aus den Hügeln'. Man sagt, sie spürt, wenn jemand sterben wird. Dann wagt sie sich hervor und weint vor dessen Fenster. Alle können sie sehen und ihr Klagen hören, nur der Betroffene selbst nicht. Oft soll sie auch am Ufer sitzen und Totenhemden waschen.

Ich mag solche Geschichten - auch wenn, oder gerade weil, sie ziemlich schaurig sind. Sie schaffen eine Verbindung zwischen Leben und Tod und bringen uns so wieder mit dem Natürlichsten der Welt in Kontakt, das wir im Alltag so gerne verdrängen.



















Samstag, 24. Oktober 2015

Im Märchenwald

Ein Wispern durch die Wälder geht
und am Rain der Nordwind klagt
Die letzte Schwalbe - längst verweht.
Vom Frost geküsst, bevor es tagt
die Blumen ihre Häupter neigen.
Es regnet Krähen übers Feld,
der Winter stimmt schon seine Geigen,
wenn Gold von allen Bäumen fällt.
wenn Nymphen in den Weihern baden,
ein blasser Mond die Nacht erhellt
und die Hügel Schleier tragen.

(Veronika Bauer, 2015)





















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