Samstag, 31. Oktober 2015

Dunkle Wesen

Es ist dunkel geworden. Die Welt scheint enger. Nebel legt sich wie Weichzeichner über die Landschaft. Mir kommt vor, als würde ich alles durch eine beschlagene Scheibe sehen. Nur manchmal erhellt eine ferne, blasse Sonne das Grau. Das Leben scheint den Atem anzuhalten und der Tod, das Ende, die Finsternis sind näher und greifbarer als sonst.
Jetzt ist die Zeit, für Aberglauben, Mythen, dunkle Gedanken. Gedanken die schweifen, abgleiten, hinüberwandern. Dorthin, wo Nebelschwaden über dem ewig silbrigen Fluss hängen. Wo Graureiher landen und kurz regungslos verharren, bevor sie ins Reich der Schatten fliegen. Wo sich dunkle Wesen aus dem Wald lösen, um sich im Mondlicht im Wasser zu spiegeln. 
Eine von ihnen ist die Banshee, ein Totengeist aus der keltischen Mythologie. Ihr Name bedeutet 'Frau aus den Hügeln'. Man sagt, sie spürt, wenn jemand sterben wird. Dann wagt sie sich hervor und weint vor dessen Fenster. Alle können sie sehen und ihr Klagen hören, nur der Betroffene selbst nicht. Oft soll sie auch am Ufer sitzen und Totenhemden waschen.

Ich mag solche Geschichten - auch wenn, oder gerade weil, sie ziemlich schaurig sind. Sie schaffen eine Verbindung zwischen Leben und Tod und bringen uns so wieder mit dem Natürlichsten der Welt in Kontakt, das wir im Alltag so gerne verdrängen.



















Kommentare:

  1. Die Auflösung, wer da auf dem ersten Bild als Banshee zu sehen ist, fand ich dann doch sehr befreiend...
    Aber gut: Heute ist All Hallows Eve....
    Einen schönen Abend! (In den Spiegel schauen, wer der Liebste sein wird, musst du ja nicht mehr...)
    Astrid

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  2. Liebe Veronika,
    so wunderschön hast du diese so stille und ruhige Zeit, die nun auf uns zukommt beschrieben. Obwohl der Tod zum Leben dazugehört, denke ich an dieses Thema absolut nicht gerne.Danke noch für deinen so lieben Kommentar.
    Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende,
    ganz liebe Grüße,
    Christine

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  3. Hallöchen liebe Veronika,
    eigentlich bin ich kein Fan von Gruselgeschichten bzw. Filmen. Wenn ich sowas schaue, dann am liebsten am helllichten Tag, dann ist es weniger schaurig ;-)
    Aber als Verbindung zum Tod habe ich es noch nie betrachtet. Die Sichtweise gefällt mir, weil der Tod tatsächlich bei uns tatsächlich aus dem Alltag verbannt wird. Ich glaube jetzt kann ich -natürlich die milden Versionen- von Gruselgeschichten besser vertragen!

    Hab einen schönen Sonntag noch.
    LG Naddel, bei der dein Geheimnis sicher ist ;-))

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  4. Liebe Veronika,

    Gerne darfst du euren Blog auf meiner "Party" verlinken, trotz Dawanda Button ;-). Die Plattform soll den Bloggern gerne nutzen :-).ich geh jetzt stöbern,.

    Liebe Grüße,
    Anna

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  5. Cool and mysterious reflections!

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  6. Dieser Post ist wunderschön und hat mich tief berührt !
    Viele liebe Grüße, Patricia

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  7. Oh ich mag so Geschichten auch wenn sie schaurig sind! Und Mythologie sowieso. Aber eher die Griechische :-) Mein Mann jedoch ist der absolute Fan von keltischer Mythologie und als ich grad vorher die Banshee erwähnt habe, meinte er nur, das ist die, die ankündigt wenn jemand stirbt, wieso fragst du? hast du eine gesehen? ;-) Deine Fotos sind wieder mal wunderschön!
    Liebe Grüsse Nica

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    1. Ja, die griechische Mythologie ist mindesens genauso spannend! Die mag ich auch sehr:)
      Liebe Grüße,
      Veronika

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  8. Eine zarte phantasievolle Art in eurer schönen Fotogeschichte den November einzuläuten. Ja, dass der Tod zum Leben gehört, ist uns vertraut und bleibt uns doch irgendwie fremd. Lieben Gruß Ghislana

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